An unserem letzten Hochzeitstag wollte ich, entgegen unserer langjährigen Tradition, das Restaurant für unser kleines Essen aussuchen. Ich habe dazu eine Ecke ausgewählt, die wir noch nicht so gut kannten die aber ganz in der Nähe des Roque Saint Christoph ist, diesem überdimensionalen Felsen mit seinem Höhlensystem, in dem die Menschen von der Steinzeit bis ins Mittelalter Schutz und Wärme fanden.

Wie so oft hier in Frankreich, waren wir die ersten Gäste. Typisch Ausländer halt eben, denn die Franzosen kommen erst ein wenig später. Aber das hat auch seine Vorteile. Und dieses Mal sollte es einen ganz besonderen haben.

Ich habe das Restaurant auch deshalb ausgewählt, weil es als eins der wenigen vegetarische Speisen anbietet. Wir haben also am schönsten Tisch Platz genommen und als wir noch gemütlich beim Aperitif waren ging die Türe auf und drei buddhistische Mönche in ihren typischen orangen Gewändern, gefolgt von zwei Damen, kamen zur Türe herein und haben genau neben uns Platz genommen.

Die Ladys waren von einer Zeitung und haben einen der Mönche interviewt und als ich genau hingesehen habe, hat es mir fast den Atem genommen. Es war Matthieu Ricard, von dem ich schon einige Bücher gelesen hatte und der als französischer Übersetzer des Dalai Lama fungiert. Aber was machte er hier?

Das Essen war phantastisch, der Wein wunderbar und mit einem halben Ohr war ich natürlich, gemeinsam mit meinem Mann, beim Interview. Und so haben wir ganz nebenbei sozusagen mitbekommen, dass seine Mutter hier lebt und es einige kleine buddhistische Klöster gibt.

Meine Neugier war geweckt und der Sherlock Holmes in mir wollte mehr wissen. Dank Google habe ich herausgefunden, dass sich östlich von uns zwei Klöster befinden, eines davon das Dhagpo Kagyu Ling, nördlich eines das ich noch nicht kenne und im Westen ein großes, das Kloster von Thich Nhat Hanh, von dem ich ebenfalls einige Bücher lesen durfte. Diese beiden habe ich inzwischen besucht und ein jeweils interessantes, inspirierendes und lehrreiches Wochenende dort verbracht – aber das ist eine andere Geschichte.

Ob ich meinen Nachbarn davon erzählt habe? Ja und sie haben ein wenig ungläubig geguckt aber dann habe ich Ihnen erzählt, dass es auch weibliche Mönche gibt, die sogar Kinder haben und mit ihren Familien leben aber sich eben dem Studium des Buddhismus verschrieben haben und das Ergebnis ihres Studium mit anderen teilen und wer weiß, vielleicht kommt die Jungbäurin einmal mit? Was sie allerdings wirklich über mich dachten kann ich nur vermuten.